Legal Tech überwiegend analog: Eine Kurzbesprechung zum Beck’schen Formularbuch für den Strafverteidiger (6. Auflage)

Alle reden von Legal Tech und meinen häufig etwas, das es schon immer gab: die formularmäßige Bearbeitung von Standardfällen. Selbstverständlich werden viele Rechtsanwälte einwenden, dass sich Rechtsberatung – von EU-Fahrgastrechteverordnungssachen einmal abgesehen –  nicht standardisieren lässt, und das mag – noch – stimmen, weil die richtige Falllösung häufig in einem Detail liegt, das erstmals und dann nie wieder in der beruflichen Praxis auftritt. Ein solches Detail zu suchen, aufzuspüren und für den Erfolg des Mandanten nutzbar zu machen, stellt häufig den besonderen Wert der anwaltlichen Tätigkeit dar, was sich gern auch auszahlen darf.

Dies vorangestellt kann jedoch kein Verteidiger leugnen, dass der überwiegende Teil der allermeisten strafrechtlichen Mandate eben doch standardisiert abläuft. Dies gilt schon deshalb, weil auch die Strafverfolgungsbehörden in gleichförmiger Prozesslogik denken und darauf angewiesen sind, die unterschiedlichsten Lebenssachverhalte zu standardisieren um sie handhabbar zu machen. Wo es zu Standardisierungen kommt, liegt der Einsatz von Formularen aber nahe, schon allein um Zeit einzusparen, die dann für die eigentliche Rechtsberatung am Detail zur Verfügung steht.

Solche Formulare zur Verfügung zu stellen, ist das Ziel der Reihe Beck’sches Formularbuch, die zunächst allgemein (Prozessformularbuch), später aber auch für einzelne Rechtsgebiete teils ca. 1.500 Seiten umfassende Sammlungen für Rechtsanwälte zur Verfügung stellt – seit sechs Auflagen und nunmehr 30 Jahren auch für das Strafrecht.

beck formularbuch

Das Formularbuch für den Strafverteidiger erfasst weitestgehend chronologisch alle denkbaren Verfahrenssituationen: Auf eine sehr muntere Auflistung zulässigen und unzulässigen Verteidigerverhaltens (einschließlich der pro/contra-Referenzen) folgen Beispielschriftsätze zum

  • Mandatsverhältnis
  • Ermittlungsverfahren einschließlich des Hinwirkens auf eine Erledigung ohne Urteil und die Tätigkeit bei U-Haft
  • Zwischenverfahren
  • Hauptverfahren vor und in der Hauptverhandlung
  • Rechtsmittelverfahren und Verfassungsbeschwerde
  • Wiederaufnahmeverfahren
  • Vollstreckungsverfahren
  • sowie zu besonderen Verfahrensarten wie dem Ordnungswidrigkeitenverfahren, Jugend-, Wirtschafts- und Umweltstrafsachen
  • zur Tätigkeit als Zeugenbeistand und Nebenklagevertreter und schließlich – nicht unwichtig,
  • Beispielschriftsätze zur Abrechnung

Den sehr ausführlich gehaltenen Schriftsatzentwürfen folgen jeweils Anmerkungen mit Verweisen auf die einschlägige Rechtsprechung und Auflistungen und Beispielargumenten jenseits der ubiquitären schweren Kindheit.

Das Formularbuch ist auf diese Weise ein solider Wegweiser durch den Strafprozess. Das Werk ist profund recherchiert und voller Praxistipps. Wahrscheinlich die bestinvestierten 119,00 € für ein strafrechtliches Büro. Allein die Verarbeitung – jedenfalls meines Exemplares – steht dem hohen inhaltlichen Anspruch ein wenig nach: Trotz sorgsamem Umgang haben sich schon mehrere Seiten gelöst. Trost spendet immerhin der Umstand, dass der Verlag alle Schriftsatzmuster zum kostenlosen Download (Word/.zip-Dateien) zur Verfügung gestellt hat, sodass nur die Anmerkungen nachgeschlagen werden müssen.

Rainer Hamm, Klaus Leipold (Hrsg.): Beck’sches Formularbuch für den Strafverteidiger, 6. Auflage, C.H.Beck, München 2018, 119 €.

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s