Über den Tellerrand geschaut: Iran richtet zwei Kinder hin

Selten spürt man den die Staatsgewalt physischer als im Strafrecht. Das haben nun auch zwei Jugendliche in der für seine Rosen und die Gräber der berühmte Dichter Hafis und Saadi bekannten iranischen Stadt Schiras zu spüren bekommen – womit wir direkt beim Thema wären.

Gemäß einer Meldung der Hohen Kommissarin für Menschenrechte bei den Vereinten Nationen – Michelle Bachelet – hat die Islamische Republik Iran im April zwei 17jährige Kinder hingerichtet, die wegen Raubs und Vergewaltigung in einem hoch problematischen Strafverfahren, das selbstverständlich auch den Geständnissen vorangegangene Misshandlungen eingeschlossen haben soll, verurteilt worden waren.

Dass Hinrichtungen von Kindern sowohl nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte als auch nach der Kinderrechtskonvention verboten sind – geschenkt. Dass die Islamische Republik Iran Vertragsstaat beider Abkommen ist – immerhin. Dass einer der Jungs zehn Jahre eine Sonderschule besucht hat – klassisch. Dass die Kinder in der Untersuchungshaft bei Ablegen ihrer Geständnisse keinen Rechtsbeistand hatten – wen wundert das? Dass die Jungs vor der Hinrichtung auch noch ausgepeitscht worden sind (natürlich nach der Kinderrechtskonvention und dem IPbpR auch verboten) – schon erklärungsbedürftig. Dass aber vor der Hinrichtung niemand den Eltern Bescheid gesagt hat, dass die Angehörigen im Gegenteil überhaupt nicht damit gerechnet hatten, weil das erste (Todes-)Urteil noch vom Obersten Gericht aufgehoben worden war – das ist so weit von meinem Verständnis von Staatlichkeit entfernt, dass sich Wut und Fassungslosigkeit gerade die Waage halten.

Oder um es mit Michelle Bachelet zu sagen: I am appalled.

HC-Bachelet-bio

Hier geht’s zum UNHCR-Bericht 

Rechtsquellen:

IPbpR Art. 6 Abs. 5:

Die Todesstrafe darf für strafbare Handlungen, die von Jugendlichen unter 18 Jahren
begangen worden sind, nicht verhängt und an schwangeren Frauen nicht vollstreckt werden

Kinderrechtskonvention Art. 37

Die Vertragsstaaten stellen sicher,

dass kein Kind der Folter Oder einer anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen wird. Für Straftaten, die von Personen vor Vollendung des achtzehnten Lebensjahrs begangen worden sind, darf weder die Todesstrafe noch lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung verhängt werden.

Disclaimer: Der Iran ist ein unheimlich schönes Land. Ich habe da sehr viele sehr wunderbare, interessante, neugierige und gastfreundliche Menschen kennengelernt. Aber man richtet einfach keine Kinder hin. Punctum.

 

 

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